- Jubälumsprogramm KÖ Theater
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Jubälumsprogramm KÖ Theater Drucken
Mit 30 Jahren gründete Rene Heinersdorff das Theater an der Kö.

 
Festrede von Rene Heinersdorf zum 20-jährigen Jubiläum des
Theaters an der Kö


Vor zwanzig Jahren, meine Damen und Herren, war dieser Raum hier eine Baustelle. Ich war verzweifelt. Schutthaufen verstellten die Sicht zur Bühne, Presslufthämmer verhinderten eine konzentrierte Probearbeit., die nur den hartgesottenen Raimund Harmstorf nicht zu stören schienen, vielleicht war er auch schwerhörig, und auf den Herrentoiletten gab es keine Schamwände (Ich verdanke es der Eröffnung dieses Theaters, dass ich das Wort Schamwände kennen lernten, ich kannte es bis doto nicht), so dass einige Herren im Smoking im Gespräch nebeneinander auf der Kloschüssel saßen und sich unterhielten. Ich und manch anderer hat damals gedacht: Das ist vielleicht eine Trend setzende Novität für das schicke Düsseldorf. Leider hat sich es sich nicht durchgesetzt. Es drohte, kurz gesagt, bei der Eröffnung der Schadow Arkaden, die Wirtschaft mal wieder die Kunst abzuhängen, denn der Einzelhandel im Erdgeschoss war deutlich weiter als das Theater hier im Keller.
Die Premiere dann, bei all den Widrigkeiten konnte es nicht anders sein, war ein großer Erfolg und es gibt tatsächlich Premiere- Abonnenten die immer noch auf dem gleichen Stuhl sitzen wie damals. Die Gisela Moog manchmal noch nach der Premiere.
20 Jahre privates Theater, ohne Subvention und ohne Insolvenz zu führen, erfüllt einen zwar durchaus mit stolz, aber es war nicht immer so lustig wie es zuweilen in den Stücken zugeht, die wir zeigen. Das Lebensgefühl, das jeder Direktor und jeder Intendant kennt ist geprägt von dem morgendlichen, ängstlichen Blick auf das Handy, der das ängstliche, morgendliche Abhören des Anrufbeantworters abgelöst hat mit den ständigen Fragen.
Welcher Künstler hat jetzt wieder ein Problem, welcher Schauspieler will wegen eines großen Fernsehens absagen, obwohl er einem Jahr lang in den Ohren lag, mal im Theatwer auftreten zu müssen. Wer will mit dem Regisseur nicht mehr arbeiten, wen will der Regisseur umbesetzen oder beide vice versa. Wer will eine andere Wohnung? Und wer hat erfahren, dass sein Kollege ungerechtfertigte Weise 20 Euro mehr am Abend bekommt? Welcher Autor ist beleidigt, weil man nicht sein Stück aufführt und welcher Schauspieler steht jetzt wieder in der Presse, wegen irgendeiner Verfehlung, oder steht man heute gar selber am Pranger.
Der Gipfel war ein Anruf morgens um 4 eines befreundeten Kollegen, der mich fragte: Du, ick bin mit dem Auto vor der Tür meines Appartements und ick finde keenen Parkplatz. Darauf ich: Und was soll ich jetzt tun? Kannst mir einen Tipp geben? Ich will jetzt nicht sagen wer das, aber Karsten Speck fuhr damals noch Mercedes.
Bei wem bedankt man sich also, nach so vielen Jahren? Bei meiner Mutter? Die gerne sagte: Junge, das war ne tolle Premiere, super nette Leute, klasse Gespräche, leckeres Buffet, das einzige, was gestört hat, war die Vorstellung. Bei den Regisseuren, die nach harter Arbeit unsere Werkstatt und nächtlichem Aufbau eines Bühnenbildes in den Saal kommen und sagen: Ist das schon die Deko? Bei den Schauspielern, denen man mit viel Mühe erklären muss, dass es in einem Boulevardtheater keine beleidigung der Kunst ist, wenn ein Publikum lacht und dass Boulevard nicht immer ein Schipfwort ist, wie mein Freund Willi Thomczyck sagt: Mach doch einmal wat Ordentliches in Dein Verwirkten Leben.
Oder bedanke ich mich bei meinen Mitarbeitern, die mich ständig wissen lassen, dass es schwer für mich sein wird, andere Leute zu finden, die mich als Chef ertragen. Oder einfach beim Publikum, das Ge-und auch Misslungenes gesehen hat und gnadenlos reagiert und so skurrile Begegnungen wie diese zulässt.
Damals vor 20 Jahren, zwei Tage vor der Eröffnung, sagte ich meinen Schauspielern, dass ich nicht garantieren könne die Gagen zu zahlen, weil wir heute vor 20 Jahren nicht wussten, kommen abends 4 Leute, 40 oder 400. Die unvergleichliche Marianne Rogee ebenfalls Mitglied im ersten Ensemble sagte: Das ist mir egal, ich möchte das in 50 Jahren irgendein Mime hier auf der Bühne steht und sagt: Dieses Theater hat die Rogee eröffnet. Marianne: noch 30 Jahre, dann haben wir es geschafft..
Und von Ihnen meine Damen und Herren, liebes gescholtenes, verwöhntes, unnachgiebiges, feinfühliges und zahlendes Publikum, wünsche ich mir nur: Kommen Sie weiter zu uns zum Lachen in den Keller.


Veranstaltungsort:

Theater an der Kö

In den Schadow Arkaden Düsseldorf
www.theateranderkoe.de


 


-Autor: Johann Markus-


 
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